Broken Culture - AI #7

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Wer sind wir? Üblicherweise stellen sich nur menschliche Philosophen diese Frage. Doch mit Einzug von Künstlicher Intelligenz ist auch Unternehmensleitern angeraten, solches zu fragen. Nicht, dass sich welche für IT-Dienstleister halten, doch in Wahrheit Personaldienstleister sind. Was ja nicht schlimm wäre, solange sich das Produkt verkauft.

Doch mit zunehmender Globalisierung stellt aber so mancher fast, dass seine Kasse eben nicht wie gewohnt klingelt. Ist die Globalisierung schuld? Versperrt uns ein Anachronismus den Weg? Da dachten wir, wir hätten sie überwunden, hätten uns an der Globalisierung abgearbeitet, doch weit gefehlt.

Wer heute Künstliche Intelligenz (KI) sagt, meint ja eigentlich Globalisierung. Der meint damit alles, was neu und innovativ ist oder was nach Start-up riecht und den ganzen Globus umspannt. Wir sprachen mit einer Expertin, einer Kulturbrokerin, über dieses weite Feld der KI und ihre kulturellen Auswirkungen auf das Alltägliche eines Unternehmenslebens.

Stephanie Sommer ist promovierte Kulturanthropologin und Unternehmensberaterin mit ihrem eigenen Business namens Kulturbroker. Sie thematisiert in Deutschland das, was in den USA schon gang und gäbe ist. „Amazon, Google und Co. haben schon seit Jahren erkannt, dass ihre eigenen Erfindungen einen Kulturriss in der Welt hervorrufen“, sagt die Pionierin.

Wir hören also Leichtes, schon fast Simples. Denn es gehe um Changemanagement. Doch im Falle der KI ist es nicht ganz so einfach, wie es scheint. Um diesen Wandel, der allumfassend ist, mit der Kultur einer Firma zu vereinbaren, müsse man seine Blickrichtung ändern. Technologischer Wandel bedeute ihrer Erfahrung nach eine Hinwendung zum Menschen.

KI sei Gegenwartskultur. Sie bette sich schon längst ganz unmerklich in unseren Alltag ein. Dieser Ansatz werde noch unterschätzt und vor allem auch seine Chancen, die aus ihm erwachsen.

Wie kennen wir es denn?

So bestand die klassische Managementaufgabe darin, eine Firma nicht vom Wege abkommen zu lassen. Das Produkt war klar, also war auch der Weg zum Erfolg irgendwie klar. Das habe sich geändert. Jetzt stünden die Unternehmen vor einem Dschungel und wüssten nicht, was sie als nächstes tun müssen, um ihre Firma zukunftsfähig zu halten. Denn die Technologie, die ihnen dabei helfen kann, kennen sie gar nicht. Sie macht ihnen Angst und Unwohlsein.

Deshalb setzt Stephanie Sommer woanders an, nämlich da, wo man nicht hinsieht. „Das Verdeckte in Firmen aufzudecken ist meine Aufgabe. Beim Verstehen helfen. Wer sind wir eigentlich und wie tun wir das, was wir tun und warum tun wir das und warum wollen wir was verändern?“

Nochmal, weil’s so schön einfach ist: Künstliche Intelligenz ist technologischer Wandel. Ihr kommt eine wichtige Rolle bei aller Menschen Arbeit zu. Verschließen kann sich keiner vor ihr. „Sie verändert vor allem die Anforderungen, die vom Markt an eine Firma herangetragen werden“, so Stephanie Sommer. Was daraus resultiert, sind neue Methoden und neue Sichtweisen auf eine bekannte Sache. Ja sogar mit neuem Personal gut möglich.

Und da ist sie auch schon, die gute Nachricht: Denn interessanterweise brächte der technologische Wandel mit sich, dass man den Menschen als die zentrale und treibende Kraft erkennen müsse. Und so muss alles neu gemacht werden: Neu gefragt, neu gedacht, neu geplant, neu eingestellt, neu neu neu: „Wie human bin ich eigentlich als Gesamtkonstrukt?“, das könnte eine Frage einer Firma an sich selbst sein.

Doch werden wir nicht allzu abstrakt. Verändern wir nur kurz mal unsere Persepktive. Tun wir einmal so, als würde ein Unternehmen eine Art Persönlichkeit ausbilden als Summe aller Individuen, die in ihm arbeiten. Nehmen wir das doch einfach mal an. Würden wir dann nicht auch feststellen, dass sich diese Persönlichkeit verändert? Die Frage aller Fragen lautet dann: Wie sollen die Menschen, die diese Firma ausmachen, nun darauf reagieren?

Und jetzt kommt Stephanie Sommer und sammelt alle Kulturteile wieder ein, die als Folge dieser Irritationen durch diesen Perspektivwechsel auseinandergebrochen sind. Sie, die Menschenwissenschaftlerin, weiß, wie man anthropologischen Themen mit den richtigen Fragen auf den Grund geht. Mittels qualitativer Forschung ergründet sie gemeinsam mit den Individuen eines Unternehmens das Grundproblem, das Unsichtbare und nicht Ersichtliche.

Aber keine Angst: Stephanie Sommer ist nicht alltagsfremd. Sie weiß, wovon sie spricht. Nämlich von schlichter Alltagskultur, die durch schlichte KI beeinflusst wird. Die Verbindung aus Kultur und Wirtschaft sei tonangebend – aus ehtischer und philosophischer Perspektive. Dann können wir getrost in die Zukunft blicken und müssen uns nicht vor der Übernahme böser Mächte fürchten und bleiben Herr unserer eigenen menschlichen Sinne.

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Andrea Deinert

#Meetup-Group@SAS-Data-Science Liaison & Internal Journalist, Contributor to the Frankfurt Data Science Community

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