SAS IoT Forum 2017: So wird der Hype zur Geschäftspraxis

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Ein Buzzword jagt das andere: Während der Hype um Big Data abklingt (zumindest hat Gartner den Begriff aus seinem Hype Cycle genommen), ist Internet of Things (IoT) gerade voll in Fahrt. Doch die Frage ist: Wie bekomme ich dieses Internet der Dinge aus der Hype-Ecke heraus?

Eine Frage, über die beim SAS IoT Forum rund 250 Teilnehmer im Münchner Technikum am 21. Februar 2017 diskutierten – und noch mal ebenso viele verfolgten die Vorträge im Livestream. Anschaulich zeigte die Veranstaltung, unter welchen Voraussetzungen IoT von der Spielwiese zum Geschäftsfeld werden kann beziehungsweise in welchen Bereichen dieser Wandel schon stattgefunden hat.

SAS IoT Forum 2017

Keynote-Speaker Thomas Ramge, der die Frage nach dem Status quo von Big Data versus Smart Data ins Spiel brachte, machte eindrücklich klar, dass es für die digitale Transformation mehr als eine Maschine braucht. Der Buchautor, Datenexperte und Technologie-Berater plädierte für Modelle „mit gesundem Menschenverstand“ und dafür, analytisch erst mal nach den „low hanging fruits“ zu schauen. Wichtiges Thema nach wie vor: Datenschutz. Im IoT-Kontext, wo die Dinge dem Verbraucher auf die Pelle rückten (in Form von Wearables und dergleichen), sei es wichtiger denn je, ihnen den Nutzen der Datenanalyse klar zu machen (Stichwort: Earned Analytics). Ramges Abschlussbotschaft an die Teilnehmer, die die Scheu vor Digitalisierungsprojekten nimmt: „Man muss nur smarter sein als der direkte Wettbewerb. Die Gegner sind nicht Google, Apple oder Facebook, sondern bleiben erst mal die gleichen.“

Buzzword hin oder her. Wie heißt es so schön nach Winston Churchill (und zitiert von meinem Kollegen Thomas Rohrmann): „Never waste a good hype“. Das heißt: Big Data hat Türen für das Thema Analyse geöffnet, die lange verschlossen waren. Inzwischen möchte sich auch der CEO mit Software-Anbietern über (Big Data) Analytics, Digitalisierung oder digitale Transformation unterhalten. Prinzipiell sind Unternehmen also bereit, sich im nächsten Schritt mit der Auswertung von Sensordaten im IoT auseinanderzusetzen. Und das SAS IoT Forum bot zahlreiche Best-Practice-Beweise dafür, dass IoT Analytics im geschäftlichen Umfeld bereits funktioniert.

Swisscom: Temperatur als Dienstleistung

Ralf Günthner von Swisscom machte klar, wie neue IoT-Geschäftsmodelle erfolgreich umgesetzt werden können. Der größte IT-Serviceprovider in der Schweiz nutzt die Digitalisierung, um datenbasierte Dienstleistungen anzubieten. Mit der Industrial IoT Suite hat das Unternehmen einen modularen, skalierbaren und Werkzeug-agnostischen As-a-Service-Ansatz geschaffen, der sämtliche Ebenen von den Sensoren und Aktoren über Data Management bis hin zu Big Data Analytics und Value Added Services abdeckt. Wie das in der Praxis aussieht, davon konnte sich die Zuhörerschaft am Beispiel der Walter Meier AG überzeugen: Temperature-as-a-Service heißt hier das Schlagwort. Über die Swisscom IoT-Cloud sammelt der Klimatechnikkonzern in seiner Zentrale Daten zu den einzelnen Wärmepumpen seiner Kunden. Auf dieser Informationsbasis kann er die Anlagen von ferne überwachen, Diagnosen erstellen, mögliche Ausfälle vorhersagen. Der „smart guard“ sorgt für maximale Ausfall- und Funktionssicherheit der Pumpen und Energieeffizienz dank Anlagenoptimierung. Und das zahlt sich aus: in Form von 20 bis 30 Prozent Einsparungen beim Einsatz von Servicemitarbeitern.

Siemens: den IoT-Schatz heben

Was sich aus IoT- und Prozessdaten mit Analytics herausholen lässt, zeigte eindringlich Dr. Mirko Appel, Head of Analytical Services bei Siemens Healthineers. Maximale Kontinuität im Kundenservice ist das A und O für den Medizintechnikspezialisten. Ein wichtiger Aspekt ist die Reduzierung des sogenannten „Ersatzteiletourismus“, also das überflüssige Hin- und Herschicken und Austauschen von Ersatzteilen bei Systemen, wo es nicht nötig wäre. Um den Anteil des unnötigen Austauschs möglichst gering zu halten und dadurch Kosten zu vermeiden, schaut sich das Unternehmen die Teile an, die mit dem Vermerk „No Defect Found“ (NDF) zurückkommen. Anhand der gesammelten Informationen lässt sich – dargestellt im Kacheldiagramm über SAS Visual Analytics – ausmachen, bei welchen Teilen in einem System der NDF-Anteil besonders hoch ist, und es können entsprechende Maßnahmen ergriffen werden (beispielsweise erst andere Teile auswechseln, wenn das System nicht mehr funktioniert). Diese evidenzbasierten Daten geben dem Service Manager die Grundlage, den Service-Prozess zu optimieren.

IoT im Kneipenklo

Dass das Ganze auch spielerisch im Kleinen anfangen kann, zeigte das Start-up peelytics, das für seine Idee – mittels in Urinalen eingebauten Temperatursensoren Daten zum Wasserlassen zu erfassen – kürzlich beim DEHOGA Elevator Pitch in Stuttgart ausgezeichnet wurde. Bei der „pee.win Challenge“, die gerade als Pilotprojekt in ausgewählten Heidelberger Lokalen läuft, gilt es, den p-Beacon Sensor zu treffen. Wer am längsten kann, gewinnt einen Preis und kann sich sein Ergebnis auch über die pee.win-App auf sein Smartphone schicken lassen. Für Tilman Boller und Dirk Dorsch, die das Projekt in München vorstellten, besteht der Ansatz darin, die Gesellschaft mit dem spielerischen Ansatz für die Auswertung dieser hochsensiblen Daten zu gewinnen. Geplant ist, die ursprüngliche Fun-Anwendung in ein seriöses Geschäftsmodell zu überführen. Der digitale Urintest soll dann im medizinischen Kontext – beispielsweise in der Früherkennung von Krankheiten – eingesetzt werden. Dazu gibt es bereits Gespräche mit der Uni Heidelberg.

IoT klappt nur mit Operationalisierung von Analytics

Beim Internet der Dinge geht es mehr als um nette Gadgets für technikaffine Nerds. Es geht darum, mittels Analytics die Daten für sich nutzbar zu machen. Dafür muss die Datenanalyse jedoch in Geschäftsprozesse integriert werden. Das Entdecken von Mustern und Erkenntnissen in den Daten muss zur konkreten Anwendung von analytischen Modellen führen. Stichwort: Operationalisierung von Analytics. Sonst wird es nicht klappen, den IoT-Datenschatz zu heben und neue Geschäftsmodelle auf den Weg zu bringen. Das SAS IoT Forum hat gezeigt, wie sich analytische Ansätze für IoT in die Realität umsetzen lassen, damit IoT nicht irgendwann als Hype verpufft, sondern zum Geschäftsalltag wird.

Und für alle, die das SAS IoT Forum verpasst haben: Ab sofort können hier Impressionen des Konferenztages sowie Live-Mitschnitte der Vorträge kostenlos abgerufen werden.

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Andreas Becks

Head of Pre-Sales Insurance DACH

Together with his team of insurance experts, data governance professionals and data scientists, Dr. Andreas Becks advises insurance clients on the analytical platform of SAS. His main focus is on data-based innovation on the one hand and industrialization of analytics on the other. For 20 years Andreas has been designing innovative solutions for data-based decisions, information visualization and AI applications in various industries. He has been with SAS for more than 5 years in various expert and management positions for Customer Experience, BI and Analytics. Moreover, Andreas is speaker at events, blogger and author of specialist articles. Prior to SAS, he held various senior positions in research and development, as a business and solution architect and in the strategic product management of a software company. Andreas owns a degree as computer scientist, holds a PhD in Artificial Intelligence from Aachen Technical University as well as an MBA from the University of St. Gallen.

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