Digital Banking und FinTech Trends 2020

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In einem erschienenen Artikel teilte meine Kollegin Joan McGowan ihre Ansichten zu den Trends im Bankwesen für 2020 mit. Ich stimme den meisten ihrer Aussagen zu. Hier sind meine Gedanken zu diesem Thema. Banken wollen auf vielfältige Weise digitaler werden. Sei es bei der Verbesserung des Kundenerlebnisses oder bei der Steigerung der Effizienz durch Automatisierung. Im Wesentlichen aus zwei Gründen können Banken es sich schlicht nicht leisten, in Zukunft un-digital zu bleiben:

  1. Die Kunden erwarten, dass sie mit ihrer Bank über voll digitalisierte Kanäle interagieren - sei es die Eröffnung eines Kontos oder die Beantragung eines Kredits. Schwerfälliger Papierkram und langsame Prozesse sind nicht mehr akzeptabel.
  2. Die Banken können es sich nicht leisten, die Digitalisierung wegen des wachsenden Kosten- und Effizienzdrucks der alten Strukturen zu ignorieren. Manuelle Prozesse mit Systemdiskontinuität erzeugen Reibungsverluste und sind teuer.

Was ist also Digital Banking? Es hat viele Gesichter. Hier sind meine 6 wichtigsten Digitalisierungstrends, die das Jahr 2020 und darüber hinaus dominieren werden:

1-Verstärkter Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI)

Bereits heute verwenden einige Banken KI-Technologien, um Betrug zu verhindern, die Kompetenz in finanziellen Fragen zu fördern, den Kundenservice zu verbessern, das Kreditrisiko zu modellieren und die Back-Office-Prozesse zu optimieren. Laut The Financial Brand, wird erwartet, dass KI und maschinelles Lernen die Betriebskosten im Bankensektor um 22 Prozent senken werden.

Digital Banking und FinTech Trends 2020

Digital Banking und FinTech Trends 2020

KI hat einen erheblichen Einfluss auf den Bankensektor und wir wissen, dass dies erst der Anfang ist. Angesichts der Tatsache, dass intelligente Technologien nicht einfach zu implementieren sind und der "one-size-fits-all"-Ansatz hier nicht funktioniert, werden sich die Finanzunternehmen intensiver mit Beratungsunternehmen mit KI-Expertise zusammentun, um der Nachfrage gerecht zu werden.

Aufgrund der disruptiven Wirkung von KI müssen Banken damit beginnen, ihre Mitarbeiter darin zu schulen, wie sie mit KI-Assistenten zusammenarbeiten können. Außerdem ist es höchste Zeit, mit der Rekrutierung von Spezialisten zu beginnen, um KI-bezogene Herausforderungen zu bewältigen.

2-Cloud Adoption

Die Zahl der Banken und FinTechs, die sich für einen Cloud-Service-Anbieter entscheiden, wächst stetig. Die Mehrheit der FinTechs sind bereits Cloud-Nutzer. Cloud bedeutet, dass Unternehmen eine größere Agilität und Skalierbarkeit erreichen, da sie keine Zeit für die Verwaltung von Infrastruktur und Rechenzentren aufwenden müssen. Die Akzeptanz von Cloud Computing nimmt zu, da immer mehr Finanzinstitute die Vorteile erkennen und ein Projekt zur Migration auf eine Cloud-Lösung beginnen.

Die Fähigkeit, schnell Neuerungen einzuführen und kundenorientierte Dienstleistungen anzubieten, ist der Kern der finanziellen Revolution, und dies ist ohne Cloud-Computing-Technologien nicht möglich. Die Migration zur Cloud ist unvermeidlich.

3-Blockchain-Technologie und Smart Contracts

Blockchain und Smart Contracts sind noch nicht ganz in unserem Alltag angekommen, aber sie haben die Fähigkeit darin zu vertrauen, dass Transaktionen robust, sicher und überall durchführbar sind. Das Bankgewerbe hat das Potenzial der verteilten Ledger-Technologien bislang weniger genutzt als ursprünglich angenommen. Viele glauben, dass 2020 das Jahr der Blockchain wird. Aber es gibt noch einige Dinge zu lösen. Hierzu gehören wie Vorschriften, Skalierbarkeit und Interoperabilität.

Obwohl ich es für eine große Erfindung halte, leidet Blockchain eher an einem Image- als an einem Technologieproblem. Die Zukunft wird zeigen, wie mutig wir sind und ob wir solche Technologien und die Vorteile der Dezentralisierung, Unveränderbarkeit, Sicherheit und Transparenz einsetzen.

4-Verwendung von APIs und offenes Banking

Open Banking, mit Hilfe von APIs, gilt als einer der größten Fortschritte in der Bankenbranche. Es hat Unternehmen und Verbrauchern einen einfachen Zugang zu maßgeschneiderten Bankdienstleistungen ermöglicht und gleichzeitig vollständige Sicherheit und verbesserte Effizienz gewährleistet. Open Banking ermöglicht es Dritten, neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. Durch die Zusammenarbeit und die Nutzung von APIs können Banken und FinTechs ihre komplementären Stärken nutzen und die Kundenerfahrung viel stärker verbessern, als jede der beiden für sich allein tun könnte.

Angetrieben durch externe Vorschriften drängt Open Banking die Banken dazu, sich schnell mit den Anwendungsprogrammier-Schnittstellen (APIs) vertraut zu machen. Durch die Zusammenarbeit können sowohl Banken als auch FinTechs APIs nutzen, um das Kundenerlebnis zu verbessern.

Obwohl APIs im Bankwesen nicht neu sind und nichts weiter als eine Struktur für die Interaktion von Softwareanwendungen darstellen, bieten sie das Tor für innovative, kontextbezogene Lösungen, die ohne offene Schnittstellen schwer anzubieten wären. Da viele verschiedene API-Typen von Banken eingeführt werden, wird erwartet, dass API-Bankdienstleistungen in Zukunft noch beliebter werden. Wenn Sie ein Geschäft betreiben, setzen Sie sich mit einer renommierten Bank in Verbindung, die solche Dienste anbietet, um mehr darüber zu erfahren, wie die APIs für Sie von Nutzen sein können.

5-Neuerungen im Zahlungsverkehr

Noch vor wenigen Jahren waren Zahlung und Geldtransfer eines der am wenigsten spannenden Themen im Bankwesen. Das hat sich völlig geändert. Die Kunden haben heute so viel mehr Wahlmöglichkeiten, wenn es um Zahlungen geht, als sie es je bei den traditionellen Zahlungsmethoden wie Rechnung, Lastschrift und Kreditkartenzahlungen hatten. Mittlerweile gibt es zahlreiche Möglichkeiten der Bezahlung, die nicht mehr nur ausschließlich von Banken angeboten und betrieben werden. Hierzu zählen Zahlungsmethoden wie PayPal, Giropay, SOFORT Überweisung, Amazon Pay, Klarna, Apple Pay, Google Pay, Zelle, Venmo, Revolut und die Liste ist noch lange nicht vollständig.

Zahlungsinnovationen haben mehrere Komponenten. Dazu gehören mobile Zahlungen, kontaktlose Zahlungen, mobile Brieftaschen, intelligente Lautsprechersysteme, Identitätsprüfungstechnologien, KI und maschinelles Lernen für die Sicherheit.

Verbesserte kommerzielle Zahlungstechnologien bieten den Banken die Möglichkeit, die Kundenerfahrung zu verbessern und den Gewinn durch erhöhte Transaktionen und Gebühren zu steigern. Da jedoch immer mehr digitale Akteure in den B2B-Zahlungsraum eintreten, müssen die etablierten Unternehmen schnell handeln, um nicht von agileren Konkurrenten abgehängt zu werden.

6-Cyber-Sicherheit

Auch Kriminelle haben die Digitalisierung der Wirtschaft für sich erkannt. Die Digitalisierung des Bankwesens ist ein langfristiger Trend, der eine besondere Anfälligkeit für Betrug, Identitätsdiebstahl, Spionage und Geldwäsche mit sich bringt. Daher sollten effiziente und effektive Strategien zur Abwehr solcher Angriffe und Betrugsversuche auf jeder Ebene einer Institution und zu Beginn jedes neuen Angebots einbezogen werden. Banken müssen ihr Risiko kontinuierlich bewerten und Maßnahmen ergreifen, um die Rendite ihrer Investitionen zu sichern.

 Schlussfolgerung: Nur digital? Oder gibt es eine Alternative?

„Digital only“-Banken haben ihren Kunden eine Menge zu bieten: Sie benötigen keine Zeit, um eine Filiale zu besuchen, keine Warteschlangen, die ihre Geduld auf die Probe stellen und sie müssen keinen quälenden Papierkram zu erledigen. Die Anzahl der sogenannten Neo Banks und ihre Einnahmen wachsen weltweit. Die mobilen Brieftaschen von FinTechs, globale Online-Überweisungen und KI-Finanzassistenten stehen an vorderster Front der digitalen Bankwelle. Um Kundenabwanderung zu verhindern und im Spiel zu bleiben, haben Finanzinstitute keine andere Möglichkeit, als die neuesten FinTech-Innovationen zu nutzen.

Aber gibt es einen Ausweg für traditionelle Banken oder sind sie gefangen? Traditionelle Banken haben (im Vergleich zu Digital-Banken) einen großen Kundenstamm. In vielen Fällen handelt es sich um langjährige Kunden, die äußerst loyal sind. Dies ist ein Vorteil, den die Banken nutzen sollten. Gleichzeitig müssen sich die Banken neu erfinden, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Sie müssen sich auf den Kunden konzentrieren, ihre oft veraltete Infrastruktur modernisieren und ihre Kundenkanäle (Filiale, Online, soziale Medien) voll ausschöpfen. Das Problem ist: Aufgrund ihrer Größe und ihrer komplexen Organisationsstruktur sind sie oft langsam in ihren Entscheidungen. Und Zeit ist das, was sie definitiv nicht haben.

Es bleibt nur eine Empfehlung an die Banken: Sie müssen die Digitalisierung und ihre Auswirkungen als Chance betrachten, nicht als Bedrohung. Jeder einzelnen Bank bietet sich die Gelegenheit, besser und schneller als die andere zu sein, wenn es darum geht, die Kundenzufriedenheit zu steigern und neue Technologien einzuführen. Wir werden in der Zukunft Gewinner dieses Spiels sehen, aber es wird auch Verlierer geben.

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Matthias Piston

Risk Management Expert

In my role as Risk Management Expert I advise banks to design architectures and processes to fulfill legal requiremenets and drive business value from it. My particular focus is helping people involved in the compliance process to automate data preparation tasks so that their time and energy can prioritize more impactful analysis. | In meiner Position bei SAS als Risk-Management-Experte berate ich Banken bei der Entwicklung von IT-Architekturen und Prozessen, damit sie den rechtlichen Anforderungen entsprechen können und schaffe damit Mehrwert für diese Kunden. Mein Beratungsfokus liegt dabei auf der Unterstützung der Fachbereiche. Hier müssen Prozesse automatisiert und standardisiert werden (bspw. bei der Datenaufbereitung). Das ermöglicht es den Kunden, mehr Zeit auf die fachliche Bewertung zu legen und sich weniger um die Daten kümmern zu müssen. Denn Ursachenforschung ist für unsere Kunden wichtiger als Datenbeschaffung und Datenbereinigung.

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