IFRS 17 – „Abwarten und Tee trinken“ ist keine Option

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IFRS 17 – ‚Abwarten und Tee trinken‘ ist keine Option

Manchmal ist abwarten und Tee trinken zwar genau die richtige Strategie, aber nicht in Sachen IFRS 17. Hier können und dürfen sich die Versicherer eine solche Haltung nicht mehr leisten. Warum nicht? Weil die Aufsicht spätestens 2021 viele neue Regularien umgesetzt sehen will. Und die sind sehr komplex in ihren operativen Dimensionen. Vieles wird Zeit brauchen, und diese Zeit, also die verbleibenden vier Jahre, sollten Sie nutzen.

Die II. Phase der IFRS-4-Richtlinie wurde über fast zehn Jahre immer wieder angepasst und um neue Aspekte erweitert. Da ist eine gewisse Skepsis niemandem zu verdenken, ob die Richtlinie überhaupt noch in Kraft tritt. Doch es hat jetzt den Anschein, als habe das Warten ein Ende. Spätestens in vier Jahren soll die Verordnung, deren detaillierte Anforderungen Anfang 2017 unter der Bezeichnung „IFRS 17“ finalisiert werden, umgesetzt werden. Jeder, der bis jetzt in einer bequemen Warteposition ausharrte, sollte nun beginnen, sich vorzubereiten, denn die Uhr tickt.

Das Reporting von 2021 wird auf den Daten von 2020 basieren. Das bedeutet, dass Sie alle Ihre 2020er-Daten so aufbereiten müssen, dass sie den neuen Regularien ein Jahr später entsprechen werden. Das wiederum bedeutet, dass Sie sich früh überlegen sollten, wie Sie das sicherstellen können. Ich empfehle mindestens einen Testlauf im Vorfeld, bevor die Richtlinie überhaupt final greift.

Das Ganze wird noch komplexer, weil in Phase II ein neues Vorgehen hinsichtlich Bewertung und Rechnungslegung vorgesehen ist. Außerdem werden diese neuen Standards Finanzinstitute auch dazu veranlassen, ihre Vermögenslage neu zu bewerten. Natürlich hat das Konsequenzen für die Geschäftsstrategie eines Hauses, denn diese muss wiederum angepasst werden.

Wie man sich leicht vorstellen kann, braucht all das sehr viel Zeit in der Umsetzung. Große Beratungshäuser empfehlen den Versicherern sogar, ihr Reporting auch schon in den Jahren 2018/2019 nach den neuen Standards und damit doppelt zu erstellen, um alle operativen Herausforderungen als Trockenübung vorab meistern zu können.

Neue Anforderungen an Daten brauchen neue IT-Infrastruktur

Es geht aber nicht nur um die strategischen Aspekte. Von den Versicherern wird auch auf der operativen Ebene viel abverlangt werden. Beispielsweise müssen die Häuser ihre Verbindlichkeiten auf Vertrags- oder Sub-Portfolio- und nicht mehr nur auf Portfolioebene ermitteln, wie es derzeit noch die Solvency-II-Richtlinie in Europa vorsieht. Und dies fordert die IT-Systeme in den Häusern auf besondere Weise heraus. So werden bestehende Altsysteme unter Umständen diese notwendige Granularität der Daten nicht mehr liefern können. Und es ist immer schwierig, die Kapazität eines Systems zu erhöhen, dem schon das Schritthalten mit den aktuellen Anforderungen schwerfällt. Wenn Sie also ein solches Altsystem in Betrieb haben, sollten Sie so früh wie möglich mit der Implementierung von Phase II beginnen.

Europäer machen sich Sorgen

Europäische Versicherer haben einen weiteren Grund zur Sorge. Und das, weil sie zwei Richtlinien umzusetzen haben: Solvency II und IFRS 4 Phase II. Erstere ist erst seit Anfang 2016 in Kraft und hat sicher noch einige Kinderkrankheiten. Versicherer sind noch immer mit der operativen Integration von Solvency II in ihren Alltag beschäftigt. Und jetzt noch IFRS 4 Phase II. Beides hat dummerweise auch nicht direkt miteinander zu tun, es handelt sich um zwei völlig verschiedene Regelwerke. Und so stehen die europäischen Versicherer vor einer doppelten systemischen Herausforderung.

Beispiel Jahresbilanzen: Jede Richtlinie für sich fordert unterschiedliche Standards. Zwei Probleme stehen vor der Tür: Erstens müssen beide Bilanzen miteinander abgeglichen werden, und zweitens muss die Geschäftsstrategie mit beiden korrespondieren. Eine Kombination beider Bilanzen muss also her, und ggfs. sind Änderungen wechselseitig anzupassen.

Nutzen Sie die Zeit

Also: Abwarten und Tee trinken ist die falsche Strategie. Nutzen Sie die verbleibenden vier Jahre und beginnen Sie so schnell wie möglich mit Phase II. Vielleicht stellt sich dieser Prozess als einfacher als gedacht heraus. Vielleicht aber auch nicht! Hier möchte ich Ihnen den SAS Weg vorstellen. Klicken Sie gerne mal rein.

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Nachgehakt Risikomanagement – ein Wort mit zweierlei Konsequenzen

Risikomanagement im Bankenumfeld bedeutet, Marktrisiken wie Zinssätze zu bewerten. Im Versicherungsumfeld meinen wir mit Risikomanagement die Bewertung von Vermögens (Marktrisiken) - und Haftungsrisiken (versicherungstechnische Risiken). Ergo: Banken haben ihr Risikomanagement schon viel früher in ihren operativen Alltag integriert. Dagegen haben sich bei den Versicherern bislang im Wesentlichen nur zwei Gruppen mit dem Risikomanagement befasst: die Aktuare der Passivseite zur Berechnung von Tarifen und Rückstellungen und die Kapitalanleger, um Performancerisiken zu mindern.

Leicht lässt sich erkennen, dass es Versicherern schwererfiel, diese beiden Seiten aneinander anzupassen. Sie weisen oft ein siloartiges Denken und Handeln auf. Nun, mit zunehmender Regulierung und steigenden Compliance-Anforderungen ist das Thema Risikomanagement für beide, Banken und Versicherer gleichermaßen, in den operativen Alltag gerückt. Finanzinstitute und Versicherer müssen jetzt Balance halten zwischen mathematisch ausgefeilten Modellen und einem Inhalt, der auch für die Entscheidungsträger innerhalb ihrer Organisation verdaulich bleibt, sprich verständlich.

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About Author

Thorsten Hein

Principal Industry Consultant

As Principal Industry Consultant in the Risk Research and Quantitative Solutions Division at SAS Institute, Thorsten Hein specialises in global risk management operations insights both in banking and insurance, focusing on Risk and Finance Integration, IFRS and Stress Testing. He helps risk management stakeholders to go beyond pure regulatory compliance and drive value-based management to maximise business performance. By applying experience from more than 20 years in Business Intelligence and Analytics, and supporting Financial Services and Risk Management, he ensures business relevance as well as technical coherence. Thorsten Hein joined SAS Institute already in 2004. Previously, he has been working for more than ten years for renowned providers of business intelligence solutions. Having started his career at the headquarters of Allianz Insurance in Germany, from the very beginning his main focus was assisting companies in the financial services industry in improving their processes and systems.

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