Die CeBIT, Big Data und Edward Snowden?

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Ich gestehe, das hat mich überrascht. Eine Messe in der Idenitätskrise zwischen Consumer-Gadget-Show und Business-Optimierungskonferenz lädt den "bekanntesten Whistleblower der Welt" (http://www.cebit.de/)  zu einer Liveübertragung ein. Was will die CeBIT damit erreichen - und was wird sie damit erreichen? Nach den harten Formulierungen von Sascha Lobo zum Thema Bullshit (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/kommunikation-im-internet-sascha-lobo-ueber-netz-bullshit-a-1022976.html) muss ich nun aufpassen, nicht allzu platt zu wirken und in die gleichen Fallen zu tappen - von wegen: natürlich ist es wichtig, dass sich Unternehmen auch mit Themen des Datenschutzes beschäftigen etc.pp. Meiner Ansicht nach hat die CeBIT nur eine Chance, wenn sie glaubwürdig für das Thema "Die Rolle der IT in der Digitalen Transformation" steht.

Wie beeinflussen Technologien die Art und Weise, wie Unternehmen morgen Geschäft machen werden? Welche Tools und Werkzeuge gibt es, die ganz konkrete Herausforderungen lösen: Kunden besser ansprechen, Fabriken effizienter organisieren, Daten für neue Geschäftsmodelle zu nutzen.

Weil sich aber jegliche wirklich relevanten Geschäftsmodelle immer auch eine Akzeptanz in der Gesellschaft verschaffen müssen, dürfen vermeintlich negative Aspekte nicht ausgeklammert werden. So gesehen war der "Fall Snowden" ein Glücksfall für die digitale Transformation. Ohne dessen aufsehenerregended Enthüllungen - deren Wahrheitsgehalt hier nicht zu disktuieren ist, das ist nicht der angemessene Ort dafür - gäbe es mit Sicherheit heute keine derart breite, tiefe und angeregte Diskussion über Themen wie "Big Data", "Datenanalyse" und "Analytics".

Die technologischen Trends sind unausweichlich da: Milliarden vernetzter Geräte, praktisch unbegrenzte Rechenkapazitäten zur Verarbeitung in der Cloud, intelligente Algorithmen zur Auswertung - all das ist einfach da und wird auch nicht mehr Verschwinden. Gäbe es nun keine wachsame Öffentlichkeit, kritische Beobachter auch außerhalb der Spezialistenzirkel und Hackerclubs oder auch den mündigen Bürger, der nun ein paar mal genauer hinschaut, was mit seinen Daten alles passiert oder passieren könnte - gäbe es all das nicht: dann würden trotzdem auf Daten basierte Geschäftsmodelle entwickelt, eine "d:conomy" ist unausweichlich.

Was dank Edward Snowden passiert, ist folgendes: Jeder, vom Softwarehersteller über den Dienstleister bis hin zum Multiplikator in der Presse ist gezwungen, wesentlich sorgfältiger und genauer den Nutzen von Big Data zu erläutern - und zwar so, dass es eben auch außerhalb der Spezialistenkreise verstanden wird. Das wird dem Reifegrad entsprechender Geschäftsmodelle nur gut tun.

Worauf wir nun allerdings aufpassen müssen ist, dass wir nicht das Kind mit dem Bade ausschütten und aus Angst oder Unkenntnis die offensichtlichen Vorteile von Big Data Analytics ignorieren. Auf gesellschaftlicher Ebene können wir uns nicht erlauben, auf Effizienzvorteile zu verzichten (Medikamentenentwicklung, Agrarflächennutzung, Verkehrsoptimierung etc.) und als Unternehmen können wir nicht darauf verzichten, uns damit intensiv zu beschäftigen. Irgendwo auf der Welt entwickelt gerade ein innovatives Start-up nämlich bereits heute die Idee, die auf einem globalisierten Markt jeden Nachzügler unter Druck setzen wird.

So gesehen kann ich es nur gutheißen, wenn die CeBIT sich dieses Themas annimmt und keinen reinen Fortschrittsoptimismus verbreitet. Ob das reicht, um als Messe eine Existenzberechtigung zu haben (es gibt auch eine STRATA, eine re:publica, einen Mobile World Congress), steht auf einem anderen Blatt.

 

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About Author

Thomas Keil

Director Marketing

Dr. Thomas Keil is a specialist for the impact of technology on business models and on society in general. He covers topics like Digital transformation, Big Data, Artificial Intelligence & Ethics. Besides his work as Regional Marketing Director at SAS in Germany, Austria and Switzerland he regularly is invited to conferences, workshops and seminars. He serves as advisor to B2B marketing magazines and in program committees of AI-related conferences. Dr. Thomas Keil 2011 came to SAS. Previously, he worked for eight years for the software vendor zetVisions, most recently as Head of Marketing and Head of Channel Sales.

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