Women in Tech Szene - AI #6

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Ein Start-up mit großem Potenzial ist sicherlich Givetastic. Wir sprachen mit der Gründerin, Vidya Munde-Mueller. Und versprochen: Dieses Gespräch zeigt, warum auch andere Corporates JETZT Givetastic unterstützen könnten, in dem sie die App verwenden. Vidya, du stellst uns heute dein Start-up namens Givetastic vor. Was dürfen wir erwarten? „Wir haben eine App für Spenden-Guthaben für Mitarbeitende entwickelt. Damit überlassen Unternehmen jedem einzelnen Mitarbeiter einen definierten Teil ihres Spendenbetrages.“

Also nicht mehr eine Firma als ganze entscheidet, wohin ihr CSR-Budget geht, sondern die Mitarbeiterinnen selbst? „Richtig, jeder Einzelne bekommt einen bestimmten Betrag zugewiesen und kann damit für sich gezielt soziale Projekte auswählen und mit seiner persönlichen Spende unterstützen.”

Wie setzt ihr das denn um? „Wir entwickeln eine automatisierte Internet-Plattform für Unternehmen und eine App für solche Spenden-Guthaben, die sich die Mitarbeiter herunterladen können. Dort sind dann passgenau hilfebedürftige Organisationen hinterlegt, an die sie spenden können. Also jeder kann individuell Projekte auswählen - keine Gießkanne wie das ja üblicherweise funktioniert.“

Euer Pool an Organisationen wird nicht standardmäßig bespielt? „Jede Firma kann uns seine Lieblingsorganisationen mitteilen, die wir dann in die App aufnehmen. Unsere App analysiert schließlich das Verhalten der Spendenaktivitäten der Mitarbeiterinnen und macht automatisch Vorschläge für jeden einzelnen.“

Aber ihr geht doch sicher strukturiert bei der Auswahl vor. Welche Voraussetzungen müssen NGO’s erfüllen, um aufgenommen zu werden? „Wir kooperieren mit www.betterplace.org und die NGOs müssen dort akkreditiert sein."

Unternehmen stellen ihren Mitarbeitern ein bestimmtes Kontingent an Zeit und Geld zur Verfügung, das sie spenden können – was für eine tolle Idee! Und das ist auch der Grundwille, den Firmen mitbringen müssen, wenn sie sich auf Givetastic einlassen. Vidya hat ein sehr soziales Herz und findet, dass noch viel zu wenige Menschen auch die kleinen Projekte unterstützen, von denen das große Ganze kaum etwas weiß. „Das sind nämlich meistens diejenigen Projekte, die nur die Freunde von Freunden und deren Freunde wiederum kennen; die aber nicht im öffentlichen Rampenlicht stehen und wertvollen Dienst an der Gemeinschaft leisten. Nun können auch diese NGO’s Spenden erhalten.“

Imagebooster

Für die mitmachenden Firmen kann Givetastic ein Imagebooster sein. Denn hier etabliert sich ein Netzwerk von helfenden Händen. Und vor allem zeigen diese Unternehmen sich nicht nur als CSR-Vorzeigefirmen, sondern werten ihr Bild bei den eigenen und zukünftigen Mitarbeiterinnen gehörig auf.

Es gibt viele Unternehmen, die von ihrer Idee begeistert sind und großes Potenzial für sich und ihre Belegschaft sehen. "Es ist eine ständige Herausforderung, Mitarbeitende zu engagieren und zu motivieren. Viele sind mittlerweile auch sehr an sozialen Fragen interessiert. Mit der App stellen wir nun sicher, dass die Arbeit für sie auf andere Weise relevant werden kann. Wir können ihnen helfen, Gutes zu tun, damit sie das Gefühl bekommen, etwas Sinnvolles zu machen. Außerdem können wir so herausfinden, was wir vom CSR-Standpunkt aus noch tun sollten und dies bei unseren Partnern, Kunden, potentiellen Mitarbeitern bekannt machen, indem wir dies öffentlich kommunizieren. Wir zeigen so, dass wir uns als Gemeinschaft, sprich als ganze Organisation, nicht nur von oben kümmern, sondern uns konkret für soziale Projekte engagieren," Leitha Matz, COO von Zuper.

Wie kommt eine erfolgreich im Berufsleben stehende junge Frau dazu, sich auf das dünne Eis der Startup-Gründung zu begeben? Warum etwas aufgeben, wenn man alles hat? An den genauen Auslöser für ihr Start-up erinnert sie sich nicht mehr. Es muss vor rund zwei Jahren gewesen sein. Da war sie im Silicon Valley, noch angestellt bei der Deutschen Telekom, um KI-Startups zu finden, die der Unterstützung würdig wären. Wahrscheinlich kamen da alle Eindrücke zusammen: Absoluter Überfluss, absolute Möglichkeiten, Entfremdung von der Natur. So beschäftigte sie sich intensiv mit der Frage, was sie als einzelne Person denn tun könnte, um die globalen (Klima-) Probleme zu lösen. Und wahrscheinlich spielte ihre eigene Herkunft eine entscheidende Rolle. Aufgewachsen in einem indischen Slum war sie die erste Frau ihrer Familie, die studieren durfte. Und die es geschafft hat.

So gesehen ist sie eine Vorzeigefrau

Vidya hat nämlich allen bewiesen, dass man jeden Traum verwirklichen kann, wenn man nur wirklich an ihn glaubt. Und ihr Traum ist nun ihr Start-up zu einem erfolgreichen Unternehmen zu entwickeln, das im Sinne der Schöpfung das Leben auf dieser Erde versucht zu retten. Auch das wird ihr gelingen.

Und wo beginnt man dieses Vorhaben am besten? Genau! Bei denen, die die Umwelt und das soziale Gefüge am meisten beeinflussen: Den Unternehmen mit all ihren unterschiedlichen Produkten. „Wir sollten die Mitarbeiterinnen ansprechen. So können wir ihnen ihre Verantwortung und die Möglichkeiten, die jede Einzelne hat, bewusst machen. Der Klimawandel ist nur ein Aspekt. Es geht auch um Armut-, Bildungs- und Frauenprojekte.“

Das ist aber keine Spinnerei von Vidya. Sie gründet ihr Business auf Fakten. So sind nach einer Studie von Global Tolerance zum Thema Werte (Quelle: CRNavigator.com) 68 Prozent der Befragten der Meinung, dass Unternehmen, Regierungen und gemeinnützige Organisationen mehr Verantwortung für soziale und ökologische Veränderungen übernehmen sollen. Fast drei Viertel wünschen sich mehr Transparenz darüber, was sie tun und sogar 81 Prozent finden, dass sie Rechenschaft über ihre Aktivitäten ablegen müssen, per Gesetz.

Bürokratisch schon schön aktiv

Zwar seien internationale Konzerne ihrer Meinung nach schon sehr aktiv in Sachen CSR-Aktivitäten. Doch es bleibe oftmals beim Report für Marketingzwecke. Vielfach würden die Aktionen zu einem reinen PR-Selbstzweck verkommen. Das sei zentralisiert, bürokratisch und teuer. Diese Herangehensweise hält Vidya für nicht zukunftsfähig und schon gar nicht nachhaltig.

Hat sie sich zu viel vorgenommen? „Nein“, sagt sie entschieden. Das glauben wir ihr auf’s Wort, denn dazu ist sie viel zu clever. Ihr Konzept baut sie mit Zukunftstechnologien auf: Sie kombiniert künstliche Intelligenz schlicht und ergreifend mit dem Thema Spenden. Ihre App nutzt ganz einfach die Macht der KI.

Wo steht ihr denn gerade mit der App, ist sie schon verfügbar, Vidya? „Wir sind noch in der Entwicklung. Ich rechne damit, dass wir in 3-4 Monaten live gehen. Wir befinden uns derzeit in der Pilotierungsphase, Akquirierungs- und Werbephase.“

Wo setzt denn bei eurer Idee die Künstliche Intelligenz ein? „Bei den Recommendations, also den Prognosen, welche Mitarbeiter ihren zugewiesenen Betrag welchen Organisationen am ehesten spenden würden. Das erfolgt über Machine Learning, also über Algorithmen für Künstliche Intelligenz.“

Sie erklärt weiter: Kern der App sei es, maßgeschneiderte Empfehlungen für Mitarbeiterinnen zu geben. Die Empfehlungen basieren auf einem Matching Algorithmus, welcher sich auf deren Profil und die Inhalte der sozialen Projekte bezieht. Darüber hinaus kann die Firma im Vorfeld eine Selektion der Projektkategorien und -standorte vornehmen - die Empfehlungen werden darauf angepasst. Dann werden die Mitarbeitendenprofile erstellt, jedoch nur nach deren ausdrücklicher Freigabe für eine Registrierung, die Verknüpfung mit Social Media Kanälen, deren Interessen und Standort.

„Das Unternehmensprofil und dessen Strategie bestimmen das Matching und Ranking von CSR-Projekten beziehungsweise von Spendenorganisationen. Außerdem sind alle Aktivitäten in Form eines Dashboards für die interne und externe Kommunikation auf einer Micro-Seite im Internet darstellbar.“

Zum Schluss noch eine Frage zum Netzwerken. Was bedeutet das in der Start-up-Szene? „Netzwerken ist genauso wichtig wie Funding. Man gewinnt nicht nur Teammitglieder, Co-Founder oder Kunden in den Netzwerken. In dem Moment, wo man mit seinem Produkt live geht, macht sich gutes Netzwerk bezahlt. Denn jeder kennt dich dann schon.“ Vidya findet übrigens, dass Frauen besonders viele Netzwerke brauchen. Anders als die Männer hätten sie das nicht im Blut. Ob Männer einfacher in ihre Peergroups kommen, wisse sie nicht, aber das, worauf Männer aufbauen könnten, müssten sich die Frauen erst mühsam erarbeiten. Givetastic hat einen Frauenanteil von 80 Prozent. Ein sehr hoher Anteil, wenn man die Frauenquote in der Start-up-Szene mit 15 Prozent betrachtet, von denen wiederum lediglich vier Prozent in den Führungsebenen sind.

Zur Person: Vidya ist Absolventin des Stanford Innovation and Entrepreneurship Certificate Program und verfügt über 14 Jahre Berufserfahrung, unter anderem in der Luft- und Raumfahrt, der Automobilindustrie und der Telekommunikation. Sie verfügt über einen Master of Business Administration (MBA) und einen Master in Nachrichtentechnik.

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Andrea Deinert

Journalist // Blogger for AI and Data Science // Data Science Community Liaison // Academic Liaison || Portrait opinion leaders from politics, society and research to reveal the meaning of AI in terms of ethics for the future of society.

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